„Was ich im Training nicht probiert habe, versuche ich auch nicht im Wettkampf.“

Das ist eine der wichtigsten Regeln von Ralf – und ehrlich gesagt auch eine, die mir bei der Vorbereitung viel Arbeit erspart. Denn bei einem Ultralauf ist nicht nur entscheidend, wie schnell die Beine laufen. Genauso wichtig ist die Frage: Was verträgt der Körper über viele Stunden?

Deshalb setzen wir auch bei diesem Ultralauf wieder auf das, was sich bereits beim 12-Stunden-Lauf in Bremen bewährt hat. Keine Experimente, keine kurzfristigen Trends und vor allem nichts, was Ralf vorher noch nie ausprobiert hat.

Eine Ausnahme gab es diesmal: Da die Runden deutlich länger waren, haben wir zusätzlich auf flexible Flask-Flaschen gesetzt.

Vorbereitung ist alles

Running Verpflegung Deutsche Meisterschaft 100km Wartenberg

Schon am Vorabend haben wir gemeinsam die komplette Verpflegung vorbereitet. Die Flask-Flaschen wurden mit der bewährten Energiemischung aus Maltodextrin, Isopulver und Wasser befüllt und entsprechend beschriftet.

Das klingt nach einer Kleinigkeit, ist im Rennen aber enorm hilfreich. Wenn Ralf nach vielen Stunden müde wird, soll er nicht erst überlegen müssen, welche Flasche was enthält. Ein Griff, die richtige Flasche – fertig. Auch beim späteren Auffüllen hilft die Beschriftung dabei, die Mischung jedes Mal wieder korrekt anzusetzen.

Die Flasche mit Durchgriff hatte eine ganz besondere Aufgabe: Sie war für die Mischung aus Kamillentee und Isopulver reserviert. Die kleinen Flaschen daneben enthielten Gemüsebrühe. Beide Getränke habe ich jeweils erst kurz vor der Verwendung mit warmem Wasser aufgefüllt.

Denn irgendwann kann ein Ultralauf den Magen ordentlich fordern. Wenn er rebelliert oder Ralf einfach dringend einen herzhaften Geschmack braucht, ist ein angenehm warmes Getränk Gold wert.

Die ersten Stunden: noch darf es etwas mehr sein

In den ersten etwa vier Stunden kann der Körper meist noch festere Nahrung gut verarbeiten. Deshalb starten wir häufig mit Brioche-Brot, bestrichen mit Pflaumenmus oder Honig.

Dazu kommen kleine Salzkartoffeln und Milchreis, den ich weich aufgekocht vorbereite. Beides wird in handliche Portionen in Folie gepackt. So kann Ralf die Portionen mitnehmen und beim Laufen nach und nach essen – ohne dass er gleich eine große Menge auf einmal zu sich nehmen muss.

Gerade bei einem Ultralauf geht es schließlich nicht darum, möglichst viel auf einmal zu essen. Entscheidend ist, kontinuierlich Energie zuzuführen und dabei den Magen nicht zu überfordern.

Je länger der Lauf, desto leichter verdaulich die Nahrung

Mit zunehmender Laufdauer verändert sich auch die Verpflegung. Was zu Beginn noch problemlos funktioniert, kann nach vielen Stunden plötzlich schwer im Magen liegen.

Deshalb wird die Nahrung im weiteren Verlauf leichter verdaulich. Dann kommen Fruchtmus und Wassermelone zum Einsatz. Die Wassermelone bringt zusätzlich Flüssigkeit mit und ist gerade bei langen Läufen eine angenehme Abwechslung.

Auch Salztabletten liegen immer griffbereit. Schließlich verliert der Körper über viele Stunden und insbesondere bei Wärme nicht nur Flüssigkeit, sondern auch wichtige Elektrolyte.

Was bewusst nicht auf den Tisch kommt

Bei unserer Vorbereitung geht es nicht nur darum, was Ralf bekommt, sondern genauso darum, was wir bewusst weglassen.

Cracker oder anderes trockenes Gebäck gibt es beispielsweise nicht. Für Ralf sind solche Lebensmittel beim Laufen einfach unangenehm trocken und damit keine sinnvolle Verpflegung.

Auch was bei vielen Läufern längst zur Standardausrüstung gehört, versuchen wir bei Ralf vollständig zu vermeiden: moderne Energie-Gels. Diese verträgt Ralf nicht besonders gut und wir sind auch ein wenig stolz darauf, dass wir die Versorgung über natürliche Lebensmittel abdecken können.

Ebenso wie Cola oder ähnliche Getränke bleiben während des Rennens außen vor. Die gibt es erst nach dem Lauf. Während der vielen Stunden auf der Strecke möchten wir vermeiden, dass unnötig Kohlensäure im Magen landet und zusätzlich für Probleme sorgt.

Hinter jeder Flasche steckt ein Plan

Von außen betrachtet sieht ein Verpflegungstisch vielleicht einfach nach vielen Flaschen, kleinen Portionen und verschiedenen Lebensmitteln aus. Für uns steckt dahinter aber ein ziemlich genau abgestimmtes System.

Jede Flasche hat ihre Aufgabe. Jede Portion ist vorbereitet. Und jedes Lebensmittel wurde vorher im Training getestet.

Denn beim Ultralauf kann man vieles nicht planen – das Wetter, die Beine, die Tagesform oder den Moment, in dem plötzlich nichts mehr leichtfällt. Bei der Verpflegung versuchen wir deshalb, so wenig dem Zufall zu überlassen wie möglich.

Und vielleicht ist genau das der wichtigste Teil unserer Vorbereitung: Ralf soll während des Rennens nicht darüber nachdenken müssen, was er essen oder trinken soll. Er soll sich auf das konzentrieren können, wofür er die vielen Stunden trainiert hat – das Laufen. Daher ist es im Zeitverlauf des Rennen immer wichtiger, dass ich genau weiß, was er bereits zu sich genommen hat und was er nun brauchen könnte – denn irgendwann ist ein Läufer nicht mehr in der Lage selbst darüber nachzudenken und muss sich vollständig auf seine Unterstützer verlassen können.